Mit Kindern und KI ein Spiel bauen
Ben nimmt sich mit seinen Kindern einen Schneetag frei und versucht, mit Replit und Vercel v0 ein Side-Scrolling-Game zu bauen und dabei nicht eine einzige Zeile Code selbst zu schreiben. Die Kinder skizzieren Charaktere und Levels auf Papier, Ben tippt Prompts. Klingt erstmal nach einem perfekten Nachmittag. Ist es auch. Bis die 80-Prozent-Wand kommt.
Replit liefert in vier Minuten ein erstes funktionierendes Spiel. Vercels v0 liefert zunächst einen Fehler, dann eine kaputte Animation, dann Schrott und Abbruch. Zurück zu Replit. Sieben Prompts später ist der Charakter halbwegs auf der richtigen Höhe, der Hintergrund bleibt schwarz statt weiß, und das Team entscheidet: gut genug, deployen. Was ich daran so toll finde: Das ist ziemlich genau der Moment, den ich aus eigenen Projektchen kenne. Der Punkt, wo man aufhört gegen die eigenen Erwartungen zu kämpfen und anfängt zu akzeptieren.
KI-Tools wie Replit und v0 sind beeindruckend in der Breite. Damit ist man von null auf funktionsfähig in ein paar Minuten. Aber sie frusten noch, wenn es präzise wird. Y-Achsen-Ausrichtung, Hintergrundfarben, feine Kollisionslogik: Da braucht’s immer noch viel menschliches Gespür. Für mich ist das keine Enttäuschung, sondern eine hilfreiche Kalibrierung. Ich baue an ähnlichen Projekten mit meinen Jungs und frage mich auch ständig: Was kann ich an KI delegieren? Was muss ich selbst anfassen?
Was mich überrascht hat
- Kinder werden schnell zu guten Prompt-Autoren — Anfangs konnten die Kinder die Spielmechanik kaum beschreiben. Nach kurzer Zeit formulierten sie ziemlich präzise Verbesserungen. Das ist eine kommunikative Fähigkeit, die man gar nicht früh genug üben kann.
- v0 scheitert an einem einfachen Game, das Replit schafft — Ich bin kein Fan dieser Prototyping Tools. Aber ich bin auch nicht Teil der Zielgruppe. v0 hat scheinbar kapituliert, wo Replit in ein paar Minuten etwas Spielbares geliefert hat. v0 scheint also für Games schlicht das falsche Werkzeug zu sein. Egal wie gut der Prompt ist.
- Es sind immer die letzten 20%, die fehlen — Ich bin ständig zu 80 Prozent fertig. So oft, dass ich drüber nachdenke, mir T-Shirts davon drucken zu lassen. Aber ich bin nicht allein. Auch hier wieder: Das Spiel funktioniert, sieht aber nicht so aus wie geplant. Sieben Prompts für eine Y-Achsen-Ausrichtung. Der Feinschliff bleibt immer Handarbeit.
Diese Seite kommt ohne Cookies und Tracking aus. Ich sammle keine personenbezogenen Daten.