Warum ADHS-Gehirne an Neujahrsvorsätzen scheitern

Artikel
Quelle ansehen →

Jedes Jahr dasselbe: Anfang Januar taucht auch bei mir oft das Gefühl auf, dass jetzt erstmal einiges anders laufen muss. Neues Jahr, neues Ich. Der Artikel von Roxy macht ziemlich deutlich, warum das für ADHS-Gehirne meist ziemlich verlässlich in die Hose geht. Und warum das kein persönliches Versagen ist, sondern schlicht Biologie.

Der Kern: Große, vage Ziele fühlen sich für uns emotional eher bedrohlich an als motivierend. Dazu kommt der Januar selbst. Ultra dunkel, kalt, die Routine nach den Feiertagen ist noch nicht wirklich wiederhergestellt. Also ein denkbar schlechter Startpunkt für radikale Veränderungen. Der Artikel schlägt stattdessen vor, mit Richtung statt Zielpunkten zu arbeiten: Wie will ich mich fühlen? Wovon will ich mehr? Eher ein diffuser Zielkorridor, statt ein rigider Meilenstein. Und somit hoffentlich kein Scheitern an Tag drei.

Ich kenne das selbst nur zu gut. Die Motivation am Anfang des Jahres ist echt, aber sie hängt eigentlich an der Neuheit, nicht an der Sache selbst. Und wenn der Glanz weg ist, ist auch der Antrieb weg. Das ist keine Faulheit, das ist Hirnchemie. Den Unterschied zu kennen hilft mir zumindest dabei, früher aus der Antriebslosigkeit wieder rauszukommen.

Was mich überrascht hat

  1. Nur 6 Prozent der Menschen halten Neujahrsvorsätze das ganze Jahr durch – und das schon bei neurotypischen Menschen. Für ADHS-Gehirne ist diese Quote wahrscheinlich noch niedriger. Ich dachte lange, ich sei einfach besonders schlecht darin. Und das stimmt auch. Aber der Unterschied ist, das andere auch nicht viel besser darin sind. Der Abstand ist deutlich kleiner, als er sich anfühlt.
  2. Konsistenz muss nicht täglich bedeuten – Zurückkommen zählt. Auch nach einer Woche Pause. Das ist für neurotypische Hirne völlig offensichtlich, aber für ein Gehirn im Alles-oder-Nichts-Modus ist es eine echte Erkenntnis.
  3. Das „Fresh Start“-Gefühl ist selbst ein Dopamin-Hit – und damit der erste Schritt in eine Falle. Die Vorfreude auf den Neustart fühlt sich fast so gut an wie das Tun selbst. Kein Wunder, dass ich immer wieder anbeiße und dann immer wieder enttäuscht werde, wenn das Kribbeln nachlässt.

Diese Seite kommt ohne Cookies und Tracking aus. Ich sammle keine personenbezogenen Daten.